Ländliche Räume in Ostdeutschland sind seit der Wiedervereinigung einem tief greifenden Strukturwandel unterworfen. Die ostdeutsche Landwirtschaft hat sich als wettbewerbsfähiger Wirtschaftszweig mit eigenständigen Strukturen (LPG- Nachfolgebetriebe) erhalten, musste aber die Anzahl der Arbeitskräfte um rund 80 % reduzieren. Viele strukturschwache Gebiete sind mit wirtschaftlichen Problemen in Gewerbe und Industrie konfrontiert. Hinzu kommt die demografische Schrumpfung. Junge Menschen, oft gut ausgebildete Frauen, wandern ab. Dies führt zu einer Erosion sozialer Strukturen. Zugleich werden öffentliche Infrastruktur und Angebote der Daseinsvorsorge abgebaut.
Trotz - oder wegen - dieser Strukturprobleme sind in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands gesellschaftliche Experimente zu beobachten. Ökonomische Nischen wie Öko-Landbau und erneuerbare Energien sind ebenso zu finden wie ein überproportional hoher Anbau von Gen-Mais. "Raumpioniere" eigenen sich "freie" Räume - z. B. Höfe, Landwirtschaftsflächen oder billige Grundstücke - an, um neue Lebensformen zu erproben. Zugleich sind Neonazis in einigen ländlichen Gebieten bei Wahlen erfolgreich. Nicht zuletzt gibt es wertvolle Naturräume, die sich unter dem Motto "Wildnis wagen" oder "Friede den Landschaften" entwickeln sollen.
In der Umbruchsituation können gesellschaftliche Neuerungen und zukunftsfähige ländliche Entwicklung erprobt werden, wie beispielsweise beim Öko-Landbau oder bei den erneuerbaren Energien.
| Name des wissenschaftlichen Mitarbeiters: | Dr. Benjamin Nölting | |
| Fachgebiet, besondere Kenntnisse: | Politikwissenschaft, ländliche Entwicklung, Regionalentwicklung, Öko-Landbau | |
| Besondere Hinweise: | Am ZTG wurden mehrere Projekte zur ländlichen Entwicklung und zum Öko-Landbau in Ostdeutschland durchgeführt. | |
| Telefonnummer: | 033/314-26 368 | |
| E-Mail-Adresse: | noelting(at)ztg.tu-berlin.de | |
| Name des Instituts: | Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin |