Nachhaltige Entwicklung in Ostdeutschland

Trotz großer Anstrengungen ist die Angleichung Ostdeutschlands an Westdeutschland noch nicht gelungen. Die Bundesregierung und die Länder haben mit den Programmen "Aufbau Ost" und "Solidarpakt I + II" unterschiedliche Strategien erprobt: Modernisierung der Infrastruktur, flächendeckende Förderung ("Gießkanne"), gezielter Aufbau industrieller Kerne sowie regionaler und Branchencluster etc. Das Grundprinzip bleibt jedoch ein Transformationspfad, der auf eine nachholende Modernisierung und Einpassung Ostdeutschlands in das westdeutsche Institutionen-, Wirtschafts- und Sozialsystem abzielt. Das westdeutsche Vorbild entspricht jedoch in vielen Punkten nicht den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung.
Dennoch ist der Stellenwert des Konzepts nachhaltiger Entwicklung - verstanden als ein ökonomisch sozial und ökologisch ausgewogener und zukunftsfähiger Prozess - für Ostdeutschland gering. Gründe dafür sind eine Skepsis in der Bevölkerung gegenüber neuen Entwicklungsstrategien und die Einschätzung, dass Nachhaltigkeit sich vorrangig mit Umweltproblemen befasse, was angesichts hoher Arbeitslosigkeit als Luxus angesehen wird. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung muss daher an die Kontextbedingungen in Ostdeutschland angepasst und schöpferisch weiterentwickelt werden. Zentral sind dabei die Fragen a) einer selbständigen Existenzsicherung, b) einer Stärkung des sozialen Kapitals (Chancengleichheit, Partizipation) sowie c) einer klugen Nutzung der Umwelt als wichtiger Ressource.
Dafür gibt es in Ostdeutschland bereits Anknüpfungspunkte. Im ökonomischen Bereich ist Ostdeutschland führend bei einigen Umwelttechnologien (Solarenergie, Biomasse), verfügt in Teilen über eine ökologisch modernisierte Industrie und hat eine nachhaltige Landnutzung (Öko-Landbau, Großschutzgebiete, sanfter Tourismus). Auf der Ebene von Initiativen und Projekten lässt sich ganzheitliches, selbst organisiertes Wirtschaften beobachten. Hinzu kommen neue Kombinationen von Erwerbsarbeit, Eigenarbeit und ehrenamtlicher Arbeit. Allerdings fehlt diesen Initiativen in der Regel die kritische Masse, um über das einzelne Projekt hinaus gesellschaftliche Wirkung zu entfalten.

Name des wissenschaftlichen Mitarbeiters:   Dr. Benjamin Nölting
Fachgebiet, besondere Kenntnisse:   Politikwissenschaft, nachhaltige Entwicklung, nachhaltige Regionalentwicklung
Telefonnummer:   033/314-26 368
E-Mail-Adresse:   noelting(at)ztg.tu-berlin.de
Name des Instituts:   Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin